Valley of Love; Quelle: LGM cinéma

Valley of Love – Das Tal der anderen Liebe

Die unendliche Weite des Tal des Todes, die den Körper mit Leere erfüllt. „MICHAEL! MICHAEL!“ ruft eine verzweifelte Stimme immer und immer wieder. Das Tal des Todes verwandelt sich ins Tal der Tränen.

Ist es möglich, die Vergangenheit wieder gut zu machen? Genau diese Frage stellt Guillaume Nicloux in seinem Film Valley of Love mit Isabelle Huppert und Gérard Depardieu, der am Mittwoch die 15. Französische Filmwoche Berlin eröffnete. Zwei der wohl international am besten bekannten französischen Schauspieler spielen das Ex-Ehepaar um ihren Sohn Michael. Für den Film sind sie seit in ihrem letzten gemeinsamen Auftritt nach 35 Jahren zum ersten Mal wieder gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Ein Vorhaben, das auch „Sohn“ Michael im Sinn hatte: In den Abschiedsbriefen, die er vor seinem Suizid hinterlassen hat, verspricht er, dass die drei sich ein letztes Mal im Valley of Death begegnen werden. Und dann ist da noch Craig.

Wer Craig ist, bleibt jedoch ebenso in der Schwebe wie viele andere Details, die Nicloux dem Zuschauer wie eine Spur auswirft, der dann selbst den Detektiv spielen wird. Craig? Und dann läuft zu Beginn des Filmes auch noch ein schwules Pärchen in ein Restaurant. Wieso hier Homosexualität? Es scheint absurd, denn im weiteren Verlauf des Filmes etabliert sich das Thema nicht. Ging es Guillaume Nicloux nur um die Queer-Quote?

Unvermittelt steht so auch die Frage im Raum „Hatte Michael AIDS und hat sich deshalb umgebracht?“ Es ist das unlösbare Rätsel, dem sich Isabelle und Gérard im Valley of Death stellen. Es sind gerade solche Signalwörter, welche dem Zuschauer mehr Klarheit geben, oder ihn zumindest auf die Spur setzen.

Wie Nicloux „Homosexualität“ als Thema in den Film hineinbringt, ohne es jedoch laut auszusprechen, führt zu einer konstruktiven Vielschichtigkeit, die in andere Sphären entführt. Die Andeutungen gehen bei Nicloux im Surrealismus weiter. Hier finden sich weitere rätselhafte Begegnungen – der anderen Art. Der Zuschauer-Detektiv trägt den Film mitsamt seinen Rätseln mit sich nach Hause und denkt weiter über ihn nach.

So sind auch die konstanten 50°C, welche im Tal des Todes vorherrschen, ein elementarer Bestandteil des Filmes. Die Hitze spiegelt zu jeder Zeit die Beziehung zwischen Isabelle und Gérard wider. Isabelle akzeptiert sie sowie sie die Annäherung ihres Ex Gatten zulässt, strahlt dabei eine kontrollierte Kühle aus. Hitzkopf Gérard hingegen weist Isabelle zurück, ihre Spiritualität, ihren Vegetarismus, ihre ständigen Bemühungen, Kontakt mit ihrer Familie in Europa aufzunehmen. Schließlich auch ihre Besessenheit um Michael.

Die Spiritualität setzt sich in diesem Moment auf dieselbe Ebene wie das unausgesprochene Thema der Homosexualität, sicherlich eines der Tabuthemen des getrennten Elternpaares. Nicloux lässt sie über dem Film schweben, ohne sie ins Zentrum dringen zu lassen. Dies unterscheidet seinen Film von anderen, wie zum Beispiel „Prayers for Bobby“ oder „Brokeback Mountain“.

Schließlich: Michael dominiert den Film, ohne anwesend zu sein. Er ist der Spielmacher der Geschichte, Grund für die Reise von Isabelle und Gérard und allgegenwärtiges Gesprächsthema.

Insbesondere die genauen Hintergründe zum Selbstmord bleiben ungeklärt.

„Vom Film her hat man keine Lösung, aber auch keine Aussage zur Mystik.“ – Guillaume Nicloux

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