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Rien de tel qu’une affiche pour attirer une nation

 

Eine muslimische Familie vor einem Obstladen oder zwei nackte Menschen und ein Anzugträger auf einem Sofa – was ist ansprechender und passender?

Auf dem französischen Filmplakat von „Je suis à vous toute de suite“ ist die Familie Belkacem nebeneinander aufgestellt, man sieht Hanna in der Mitte. Links neben ihr steht ihr Bruder mit seiner Frau, rechts stehen Hannas Eltern und ihre Oma. Man könnte vermuten, dass die Familienmitglieder nach dem Grad ihrer Religiosität angeordnet sind. Im oberen Drittel fängt der Untertitel « Rien de tel que la politique religion pour fâcher une famille » das Interesse des Lesers. Nichts kann eine Familie so sehr verärgern wie die Religion – auch dieses Statement macht deutlich, dass neben dem Glauben die Familie im Debütfilm von Baya Kasmi eine wichtige Rolle spielt.

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Auf dem deutschen Plakat: ein rotes Sofa, auf dem drei Personen sitzen. Rechts sieht man die halbentblößte Hanna, die unbehaglich den nackten Mann neben sich ansieht. Links sitzt im Anzug der Arzt Paul, dessen Blick zeigt, dass er sich ziemlich fehl am Platz fühlt. Im Hintergrund sieht man kleine Zeichnungen, die das zentrale Thema der Religion sowie die Familie und ihr Nettigkeits-Syndrom anschneiden.

Mit diesen unterschiedlichen Plakaten werden in Deutschland und Frankreich auch zwei verschiedene Mentalitäten angesprochen. Überraschenderweise wird gerade bei den sonst so prüden Deutschen versucht, das Interesse am Film mit nackter Haut zu wecken. In Frankreich wird hingegen nur mit einer lächelnden Familie geworben.

Vielleicht ist das deutsche Filmplakat provokanter und erweckt dadurch für viele Zuschauer die Lust auf den Film. Zwei nackte Menschen und ein Anzugträger sind eventuell ansprechender, dafür aber auch irreführend, weil sie nur einen Teilaspekt des Films aufgreifen. Daher trifft das französische Plakat sehr viel besser auf den Inhalt des Films zu und wenn man „Je suis à vous tout de suite“ gesehen hat, kann man sich besser mit diesem identifizieren.

Lea und Marie

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