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Mustang: Wilde Pferde statt zahme Fohlen

Stell dir einmal vor, du würdest dazu gezwungen, in zwei Wochen einen Mann zu heiraten, den du überhaupt nicht kennst. Du darfst dein Leben nicht so frei gestalten wie du willst – deinen Kleidungsstil nicht ausleben und keine Freunde treffen, nicht einmal in die Schule gehen – und stehst unter der ständigen Überwachung deines patriarchalischen Umfelds.

Genau das widerfährt Selma, Ece, Nur, Sonay und Lale, fünf Schwestern, die in der nordtürkischen Provinz aufwachsen und sich permanent der Autorität ihres Onkels unterwerfen müssen. Anstatt ihren jugendlichen Interessen nachgehen zu können, werden sie nach einem harmlosen Spiel mit befreundeten Jungen zu Hausarrest verdammt. Ihre teilweise erfolgreichen Versuche, sich hinauszuschleichen,  führen dazu, dass ihr Zuhause mehr und mehr zu einem Gefängnis wird.

Zum Glück verliert vor allem Lale, die jüngste Schwester, ihren Mut nicht und widersetzt sich ihrem Onkel trotz seiner Macht, die er sie deutlich spüren lässt. Auch deswegen wird sie von der Türkisch-Französischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven als Heldin bezeichnet und ist die Erzählerin der Geschichte.
Ergüven sagt in einem Interview mit Unifrance, dass ihr selbst in ihrer Kindheit und Jugend Ähnliches widerfahren sei, sie allerdings nicht den Mut aufbringen konnte, sich dagegen zu wehren. Dies hat sie inspiriert, „Mustang“ zu drehen und fünf Heldinnen zu zeigen, die sich diese ungerechte Behandlung nicht gefallen lassen.

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Ergüven hat mit ihrem Filmdebüt „Mustang“ einen durchaus feministischen Film geschaffen, dessen Tonlage allerdings nicht so radikal ausfällt wie ein Feminismus à la Femen oder Alice Schwarzer. Er zeigt sich vielmehr auf eine sehr subtile Art und Weise, die sich im Handeln der fünf jungen Frauen manifestiert:  Lale, wie sie im ausgestopften BH ihrer Schwester fröhlich durch die Wohnung tanzt und ihre ersten Fahrversuche unter der Anleitung von Verkaufsfahrer Yasin. Die Schwestern, wie sie sich in Bikini in den Strahlen sonnen, die durch die Gitter ihres Gefängnisses dringen.

„Mustang“ ist ein Film, der einen sowohl zum Lachen als auch zum Weinen bringt. Durch seine tiefsinnige Art der Darstellung sorgt er dafür, dass er seine Zuschauer zutiefst berührt und sie zum Nachdenken bringt.
Sowohl das vom Rest der Welt abgeschnittene Haus als auch der Zusammenhalt der Geschwister sorgen für die düstere, aber auch solidarische Stimmung im Film.
« Il fallait absolument que leur courage paye, qu’elles gagnent à la fin, et ce de la manière la plus jubilatoire possible. », erwähnt Deniz Gamze Ergüven in dem Interview.

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