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Marie Curie, Portrait einer willensstarken Rebellin

Malerisch und zugleich feministisch ist das Porträt der französische-polnischen Wissenschaftlerin, das Marie Noëlle mit ihrem Film Marie Curie zeichnet. Die Regisseurin will die „üblichen Repräsentationen“ Marie Curies hinter sich lassen und eine „sinnliche Seite“ hervorbringen, die sonst verborgen bleibt.

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Schwarz gekleidet, mit Hüten auf dem Kopf und Zigarren in der Hand laufen sie wie eine Horde Büffeltiere am Strand. In ihrer Mitte Marie Curie (Karolina Gruszka), die entschlossen nach vorne schreitet und die „Männerherde“ anführt. Ihre roten Haaren glänzen in der Sonne, der Wind poltert und das Meer tobt.

Diese Szene resümiert viel von Marie Noëlles Vorhaben, da sie mit ihrem neuen Film Marie Curie verfolgt: das Bild einer starken Frau vermitteln, dabei „die ‚Weiblichkeit’ suchen“ und das Ganze in einem Rahmen setzen, der Bilder entstehen lässt, die an impressionistische Gemälde erinnern.

In der Tat gelingt es dem Film diese malerischen Elemente immer wieder so einzusetzen, dass der Zuschauer gefesselt die wunderschönen Bilder betrachtet und sich dabei überlegt, an welches bekannte Gemälde ihn diese Szene nun erinnern könnte.

Die feministische Seite des Porträts wird zu Beginn vor allem in der Hartnäckigkeit und dem Durchhaltevermögen der Figur dargestellt, die Marie Curie als eine verbissene Forscherin erscheinen lässt, die kaum Zeit für etwas anderes hat. Die Konsequenz dieser Inszenierung Marie Curies ist, dass der Zuschauer nur sehr langsam Sympathie für die Figur entwickeln kann und der Einstieg in den Film deswegen nicht leicht fällt. Das kalte Bild wird im Laufe des Films aber, mit der sich entwickelnden Liebesbeziehung zwischen Marie Curie und Paul Langevin, immer mehr aufgetaut. Gegen Ende des Films wird Karolina Gruszka sogar völlig nackt, auf dem Bett liegend dargestellt. Marie Curie verliert so ihre Introvertiertheit, die sie zu Beginn des Filmes noch charakterisierte. Doch geht mit dieser Szene, die den Körper der Frau als einziges Objekt hat, nicht auch ein bisschen der feministische Touch verloren?

 

Für Marie Noëlle ist diese Szene im Gegenteil die Möglichkeit, ein anderes Bild von Marie Curie zu präsentieren, welches sie von ihrer „sinnliche Seite“ zeigt. Die Regisseurin will das konventionelle Bild der Wissenschaftlerin mit Elementen der Sinnlichkeit „brechen“. Eine Entscheidung, die zwar insgesamt sehr gelungen ist, jedoch ein paar Erwartungen nicht erfüllt. Das Engagement Marie Curies, wie etwa während des Ersten Weltkriegs, hätte angeführt werden können, um ihre Überzeugungskraft besser darzustellen.

Das Bild, das am Ende in Erinnerung bleibt, ist das einer modernen Frau, die ihrer Zeit, gesellschaftlich und wissenschaftlich, voraus war. Es bleibt das Bild einer Visionärin, die Wissenschaft mit Kreativität und Gedankenfreiheit assoziierte. Ein Gedanke, der für aktuelle Debatten hoch interessant ist und den Marie Noëlle zurecht in den Vordergrund ihres Filmes stellt.

 

Raphaël Schmeller

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