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Le parc – Mysteriöser Realismus

Als befände man sich selbst auf einem Rendezvouz: Damien Manivels Le parc erzählt die Geschichte eines ersten Treffens zwischen einem Jungen und einem Mädchen verblüffend echt. Doch kaum ist es dunkel geworden, wird es bizarr.

Das erste Date. Eine Situation, in der sich fast jeder schon einmal befunden hat. Ein Junge sitzt auf einer Bank, wartet nervös. Dann kommt ein Mädchen. Sie begrüßen sich, fragen, wie es dem anderen geht, wo sie wohnen, dann unangenehmes Schweigen, keiner sagt etwas. Plötzlich sitzt man mit den beiden auf der Bank, überlegt, was man an ihrer Stelle sagen könnte. Während die beiden durch den sonnigen Park streifen, sich langsam näher kommen, fiebert der Zuschauer mit ihnen mit. Hat der andere überhaupt Interesse? Wie soll man sich ihm annähern?

Le parc ist ein Film, der nicht dadurch spannend ist, dass ständig etwas Neues passiert, sondern durch seinen Realismus, der einen hohen Grad an Identifikation mit sich bringt. Dies gelingt nicht nur durch das authentische Drehbuch, sondern auch durch das nuancierte Spiel der Laiendarsteller Maxime Bachellerie und Naomie Vogt-Roby. Kein Blick, keine Geste wirkt zu viel.

Auch die Führung der Kamera beschränkt sich auf das Notwendigste. Es gibt wenige Einstellungen pro Szene, doch es sind nie zu wenige. Kamerafahrten gibt es nur eine. Dann, wenn der Parkwärter und das Mädchen in einem Boot sitzen und im Vollmond den Fluss des Parks entlangfahren. Die beiden begegnen sich, als er den Park schließen möchte. Sie läuft rückwärts vor ihm weg, nach einer Weile beginnt er Tai-Chi zu machen, die beiden tanzen, er trägt sie.

Dieser Wandel zum Mysteriösen, von so realistisch handelnden zu skurrilen Figuren verwundert. Dennoch fällt es nicht schwer, sich auf die neue Dimension einzulassen. Der Park, der noch vorher ein sonniger, romantischer Ort war, wird zu einem zwielichtigen, bizarren Areal und die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen.

Le parc ist ein Film, der seinen Schauspielern viel Raum gibt und es schafft, den Zuschauer trotz der geringen Mittel, die zur Verfügung standen, in den gleichermaßen lebensnahen und mysteriösen Film zu ziehen.

von Sophie de Frenne

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