Quelle: Héloise Faure

Je suis Charlie – Aufwachen, Leute!

Foto: Héloise Faure; Das Veröffentlichen einer Karikatur Mohammeds oder doch schon das alleinige Zeichnen – eine freie Meinungsäußerung oder ein Verstoß gegen das Gesetz? Eine Frage, bei der sich die Geister scheiden.

Genau diese Frage ist aufgetreten, als die dänische Tageszeitung „Jyllands Posten“ eine solche Karikatur im September 2005 veröffentlichte. Aus Solidarität nach den aufgekommenen Protesten und um ein Zeichen zu setzen, druckte die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ dann im Februar 2006 die Karikatur nach. Zu dem Zeitpunkt habe ich die Situation noch nicht wahrgenommen. Vielleicht war ich zu jung, vielleicht hat mich das Thema noch nicht interessiert.

Erst als 2010 ein Anschlag auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard aufgrund seiner Mohammed Karikatur verübt wurde, habe ich die Situation erfasst. Da ich jedoch noch nicht das nötige Interesse an dem Weltgeschehen hatte, war für mich das Thema nach einiger Zeit abgeklungen.

Plötzlich dann, am 7. Januar 2015 wurde „Charlie Hebdo“ von Al Quaida Yemen attackiert. Unglaublich, dass so etwas geschehen ist. Unglaublich, wie die Welt reagiert hat. Angela Merkel reiste persönlich nach Paris, um beim Trauermarsch mitzulaufen. David Cameron twitterte „Die Morde in Paris sind ekelerregend“. Buttons mit „JE SUIS CHARLIE“-Schriftzug waren in ganz Europa zu sehen. – Es war eine unglaubliche Solidarität, die in Deutschland und auch anderen Ländern herrschte. Fast jeder meiner Facebook-Freunde hatte sein Profilbild zu dem Slogan geändert. Doch was soll das hervorrufen? Eine nebensächliche Frage, die nur wenige Monate später, am 13. November traurigerweise erneut aufkam.

Viele haben kommen sehen, dass das Attentat auf die Satirezeitung nur der Anfang war und wurden tragischerweise in ihrer Vermutung durch die Anschläge auf unschuldige Menschen in Paris im November bestätigt. Es war genau in diesem Moment, dass ich wirklich realisiert habe, was genau in der Welt geschieht. Es ist erstaunlich, was aus einer Karikatur, eigentlich ‚nur‘ einem Bild, entstanden ist. Kann man es Krieg nennen?

Daniel und Emmanuel Leconte haben die Geschehnisse um Charlie Hebdo dokumentarisch in ihrem Film „Humour à mort – Je suis Charlie“ festgehalten. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle, die Vater und Sohn im Zuschauer hervorrufen, ist erstaunlich. Es geht nicht nur um das reine Wiedergeben, was geschehen ist, sondern auch, wer die Opfer waren.
Sie schaffen es, den Zuschauer sentimental werden zu lassen, aber gleichzeitig auch die Mentalität der Opfer wiederzugeben. Es waren fröhliche Menschen, die immer Raum für Spaß geboten haben.
Hierzu haben die Regisseure Szenen aus Daniel Lecontes Dokumentation über „Charlie Hebdo“ von 2007 genommen. Unter den älteren Szenen sind auch Meinungen über die Veröffentlichung der Karikatur enthalten. Unfassbar, wie diese Szenen heute wirken! Es scheint ganz so, als ob sie zur Zeit des Attentates 2015 aufgenommen wurden. Dass acht Jahre zuvor Aussagen getätigt wurden, die über die Jahre nicht an Inhalt verloren haben, gibt dem Zuschauer zu denken.

Ich selber bin mir seitdem bewusst geworden, dass derzeit eine kritische Situation vorherrscht. Man sollte jedoch keine Angst haben. Es ist sehr wichtig, dass man sich über die Geschehnisse im klaren ist und sie im Gedächtnis behält. Denn es stellt sich auch die Frage, ob diese aktuellen Ereignisse die Menschen endlich wachrütteln konnten‚ dass es an der Zeit ist, zusammen mit den Muslimen auf friedliche Weise, Terrorismus zu bekämpfen. Oder ob in einigen Wochen alles so sein wird, wie vorher.

Was geschieht in der nächsten Zeit? Was wird passieren? Fragen, die sich viele stellen, jedoch keiner beantworten kann. Wünschen sich nicht alle nur Frieden?

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