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Guillaume Nicloux: Glänzende Bescheidenheit

Guillaume Nicloux und Isabelle Huppert auf der Eröffnung der Französischen Filmwoche. / Foto: Heloise Faure

Es scheint so, als wolle er an diesem Abend nicht so auffallen, wie es ihm eigentlich zustünde. Sein anthrazitfarbener Anzug, dunkel gehalten wie der Grundton seiner Filme, vor dem golden glitzernden Vorhang des Kino International, wirkt in diesem Kontext geradezu entschieden bescheiden. Dabei hätte Guillaume Nicloux allen Grund, so zu glänzen, wie es auch sein Film “Valley of Love” seit seiner französischen Premiere im Juni getan hat, der jetzt die Semaine du Film Français in Berlin eröffnet. Das Drama mit Gérard Dépardieu und Isabelle Huppert in den Hauptrollen war beim diesjährigen Féstival de Cannes für die Goldene Palme nominiert.

Zurückhaltung übt er aber nicht nur in seinem Auftreten, auch bei der Frage nach dem mystischen, ungeklärten Anteil in “Valley of Love” bleibt Guillaume Nicloux bescheiden. Er will dem Publikum keinen Glauben, keine Antwort aufdrängen – sondern ihm den Raum lassen, eigene Deutungsmöglichkeiten zu finden. Nur einen Aspekt seines Films wird er nicht müde, zu wiederholen. Auch wenn Isabelle Huppert ihn gebeten hatte, diesen “fun fact”der besonderen Art lieber nicht zu erwähnen: Dass die Hitze, wenn sie wie in “Valley of Love” jegliches Handeln der Figuren bestimmt, auch die Erektion des Mannes verstärkt. Deshalb empfiehlt er den Männern im Publikum, sich nur in weiblicher Begleitung solchen klimatischen Bedingungen auszusetzen. Da hat Gérard doch alles richtig gemacht.

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Blick aus dem Publikum: Guillaume Nicloux bei der Eröffnung der Französischen Filmwoche Berlin (ganz Rechts)

Guillaume Nicloux, 1966 geboren, ist nicht nur Regisseur, sondern auch Autor mehrerer Bücher und Drehbücher sowie Schauspieler und Gründer der Theatergruppe “La troupe”. Sein erster Film, “Les enfants volants”, kommt 1991 in die Kinos. Danach folgen weitere Filme, darunter auch “La poulpe” (1998), ein Polizeifilm mit Clotilde Courau. 2012 unternimmt er mit dem im Fernsehen ausgestrahlten Politdrama “L’affaire Gordji” einen Abstecher auf die Bildschirme, um dann ein Jahr später mit “La Religieuse” und 2014 mit “L’enlèvement de Michel Houellebecq” auf die Leinwände der französischen Kinos zurückzukehren.

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