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Die feine Gesellschaft – Eine Farce zwischen Kannibalismus und Inzest

 

Bruno Dumonts neuer Film ist ein Slapstick der ganz besonderen Art. Wenn das kannibalische Landvolk und die inzestuöse feine Gesellschaft aufeinanderprallen, entsteht ein absurdes und groteskes Feuerwerk, das bei dem Zuschauer definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlässt – wenn er sich darauf einlässt.

Das ist aber gar nicht so einfach, weil Bruno Dumont eine surreale Welt kreiert, die seinen eigenen absurden Regeln folgt und den Zuschauer Schritt für Schritt aus seinen gewohnten Denkmustern holen möchte. Er tut dies auf eine sehr kalkulierte Art und Weise, indem er tragische und komische Elemente miteinander vereint und das Groteske auf die Spitze treibt.

Anfangs ist alles einfach nur komisch. Die seltsame Familie Van Peteghem verbringt ihre Ferien in ihrer Betonvilla an der Küste Nordfrankreichs. Ihre kitschigen, aufwendigen Kostüme sind sowohl lächerlich als auch graziös und helfen dem Zuschauer in Bruno Dumonts Welt langsam einzutauchen. Besonders komisch wird es, als der Kommissar Machin und sein Partner Malfoy  auftauchen. Machin rollt den Hügel runter, der ungeschickte Malfoy versucht ihn zu retten. Gemeinsam möchten sie das mysteriöse Verschwinden mehrerer Touristen aufdecken und stellen sich hierbei alles andere als geschickt an.

Dann wird die Geschichte schräger. Der Kannibale und Muschelsammler Ma Loute verliebt sich in die oder den burschikosen Billie, der ein Mädchen ist, das sich als Junge verkleidet oder auch andersherum…

Irgendwann gerät alles aus dem Gleichgewicht und die Charaktere drehen durch. Der Zuschauer weiß nicht mehr, ob er die Geschichte komisch oder tragisch findet. Dumont selbst behauptet, dass sein Film tragisch und komisch zugleich sei. Unser Verstand zwinge uns, zwischen zwei Dingen zu wählen, zwischen denen wir eigentlich nicht wählen müssen. Trotz der starken schauspielerischen Leistung merkt man, dass die Darsteller hierfür an ihre Grenzen gehen mussten. Juliette Binoche hat die Grenze zwischen nerviger Hysterie und bloßer Unerträglichkeit zwar etwas überschritten, das Groteske am Film aber dadurch in die Höhe getrieben.

 

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