Odyssee SD39- Scenes: 27,28,30,33

Der Ozean – Tiefer als die Handlung

Jérôme Salles „Jacques – Entdecker der Ozeane“

Bildgewaltiges Biopic: Jérôme Salle schildert das Leben des Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau – ein visuelles Meisterwerk mit einem Drehbuch, das einige Mängel aufweist.

Für viele Franzosen sind sie ein Teil ihrer Kindheit: Die Unterwasserfilme des Jacques-Yves Cousteau, mit denen er zahlreiche Preise und eine breite Öffentlichkeit gewann. 

Der Forscher und Filmemacher war eine zwiespältige Persönlichkeit: erst Tierquäler, dann Umweltschützer. Zu Beginn seiner Karriere ging es ihm um die Erforschung der Ozeane und um die Vermarktung seiner Filme, schließlich um den Schutz der Natur.

Die Motive für seinen Wandel zu beschreiben schafft der Film nicht. Zu plötzlich erfolgt die Veränderung Cousteaus von einem Mann, der Robben tagelang in einem winzigen Käfig gefangen hält, zu einer Person, die ihre eigene Umweltorganisation gründet und über den Schutz der Ozeane referiert.

Nicht nur an dieser Stelle erscheint der Wandel der Protagonisten zu abrupt: Nachdem Philippe Cousteau die Wertvorstellungen seines Vaters Jacques-Yves fundamental kritisiert hat, sowie eine Teilnahme an einer Antarktisexpedition vehement abgelehnt hat, taucht er in der nächsten Szene übergangslos auf seinem Forschungsschiff der „Calypso“ auf und begleitet ihn.

Die Figuren bleiben einem, wie in dieser Szene, oft fremd. Die Spannungen innerhalb der Familie Cousteau werden jedoch einigermaßen anschaulich dargestellt, was nicht zuletzt an den starken schauspielerischen Leistungen von Lambert Wilson, Audrey Tautou und Pierre Niney liegt.

Besonders zwischen Jacques-Yves und seinem Sohn Philippe gibt es immer wieder Konflikte, die schon zu erahnen sind, als der Meeresforscher seine Kinder auf ein Internat abschiebt, um zusammen mit seiner Frau Simone und einem Taucherteam die Meere zu erkunden. Das Verhältnis des Ehepaars gestaltet sich ebenfalls schwierig, da Cousteau zahlreiche Affären hat. Während er sich mit Filmproduzenten und jüngeren Frauen trifft, bleibt sie auf der „Calypso“, jenem Boot, mit dem die Cousteaus und ihr Team die Ozeane bereisten.

Die Darstellungen dieser Expeditionen sind visuell beeindruckend. Kamerafahrten über blau leuchtendes Wasser und Eisschollen in der aufgehenden Sonne, lassen den Zuschauer über die Schönheit der Natur staunen. Auch die Unterwasseraufnahmen wirken eindrucksvoll: Haie, die die Taucher umkreisen, ein Wal mit einem Jungen, ein Taucher alleine in den Tiefen des Ozeans.

Damit die Bilder noch mehr berühren, werden sie mit emotionaler, klassischer Musik unterlegt. An einigen Stellen gelingt dies, an anderen ist die Musik zu viel, da die Aufnahmen für sich sprechen.

Es sind ohnehin hauptsächlich die Bilder, die im Gedächtnis bleiben, wohingegen die Erinnerungen an die Geschichte des Films wohl schnell verblassen werden.

von Sophie de Frenne

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