Charlotte Rampling in "The Look" (2011); Quelle: M2K

Charlotte Rampling – „Ich wollte Europa erobern!“

Schauspielikone Charlotte Rampling erhielt am Samstagabend in Berlin den Europäischen Filmpreis für ihr Lebenswerk. Als Hommage an die Auszeichnung zeigte die 15. Französischen Filmwoche wurden mit „Swimming Pool“ (2003; Regie: François Ozon) und „The Look“ (2011; Regie: Angelina Maccarone) gleich zwei Filme mit ihr in der Hauptrolle gezeigt.

Charlotte Rampling merkt man ihre mittlerweile 69 Jahre nicht an. Weder im Film noch auf der kleinen Bühne im Cinéma Paris, auf der sie sich am Freitagabend den Fragen des deutsch-französischen Publikums stellte. Die Schauspielerin, die mittlerweile bereits seit 45 Jahren im Business arbeitet, mit so angesehenen Regisseuren wie Lars von Trier („Melancholia“), Woody Allen („Stardust Memories“) und François Ozon (u.a. „Swimming Pool“) gedreht hat, strahlt Klasse aus. So wie jemand, dem der ganze Star-Schnickschnack nicht so viel ausmacht, weil das, was wirklich zählt, die Arbeit ist, das Schauspielen.

Und wirklich, ihr Interesse scheint wirklich in den Charakteren zu liegen, die sie spielt. „Ich wollte immer Leute finden, die so sind wie ich. Wenn man ein Schauspieler ist, geht es, so wie ich für mich die Schauspielerei verstehe, viel mehr um das Gefühl von der Präsenz eines Charakters“, erklärte sie dem Publikum im Kinosaal. „Irgendwie ist dies die Reise, auf der ich mich befinde: Ich will in der Lage sein, mich mit einer Figur zu vermischen. Das heißt, ich arbeite eine Figur nicht heraus, sondern ich bin die Figur.“ Dies tue sie, so beschreibt Rampling weiter, indem sie der Figur das hinzufüge, was ihr am intimsten und geheimnisvollsten in ihr und dem fiktiven Charakter erscheine. „So gebe ich dem Publikum etwas, was mir selbst sehr ähnlich ist, aber ich bin es nicht, weil ich ja jemand anderen spiele. Ich muss mich nicht selbst spielen, um anderen nahezubringen, was ich fühle.“

Swimming pool 1-c_ Mars distribution

In „Swimming Pool“ und „The Look“ wird beispielhaft deutlich, was sie damit meint. In „Swimming Pool“ spielt sie eine britische Krimibuchautorin, die in das Landhaus ihres Verlegers fährt, um an einem neuen Buch zu arbeiten und dort auf seine Tochter trifft. Das Zusammentreffen verursacht Spannungen, die sich nach und nach zu einem Kriminalfall entwickeln, deren Spuren Realität und Fiktion verschwimmen lassen. „The Look“ ist ein Portrait der Rampling der deutschen Regisseurin Angelina Maccarone. In verschiedenen Gesprächen mit engen Freunden, wie beispielsweise Jürgen Teller und Paul Auster geht sie der Persönlichkeit der Filmikone auf den Grund. Beide Filme zeigen das, was man mit ihr verbindet: Die Stärke, die Klasse, vielleicht auch der trockene, manchmal steif wirkende Intellekt – alles da! Gerade in der Gegenüberstellung der beiden Filme wirkt ihre Aussage besonders deutlich und man merkt, da ist eine Schauspielerin am Werk, die es schafft, sich für einen Film zu öffnen.

Zurecht wurde sie deswegen beim Europäischen Filmpreis gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet. Abgesehen von ihrem Lebenswerk erhielt sie auch den Preis als Beste Darstellerin 2015 für ihre Leistung im Film „45 Years“ (Regie: Andrew Haigh), für die sie Anfang des Jahres bereits den Silbernen Bären auf der Berlinale in Empfang genommen hatte. Für Rampling, die als Britin Frankreich als ihre Wahlheimat bezeichnet, eine besondere Ehre. Rampling, die in Großbritannien eine sehr strenge, katholische Erziehung genoss, gilt Frankreich seit jeher als Ort der Freiheit: „Genau aus diesem Grund lernte ich auch Französisch! Es ermöglichte mir, zu einer katholischen Schule in Frankreich zu gehen.“ Aber nicht nur französische Einflüsse prägten sie sehr. Im Laufe ihrer Karriere hatte sie nämlich auch die Möglichkeit in Amerika und Italien zu wohnen. „Und dort passierte es dann“, erzählt sie dem vollbesetzten Cinéma Paris, „dass diese ganze exotische Welt der Schönheit sich für mich öffnete und mir erlaubte, zu denken und zu fühlen. Und deswegen bin ich auch glücklich, heute hier sein zu können und den Preis des Europäischen Filmpreises zu erhalten, weil ich da beschlossen habe, dass Europa der Ort ist, an dem ich leben will. Ich wollte Europa erobern. Ganz einfach.“

Zumindest in Bezug auf die Schauspielerei hat sie mit ihrer filmischen Leistung ihr Ziel erreicht. So viel steht fest.

 

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