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1789 – Gestern wie heute?

Die Schauspieler stehen hinter der Bühne. Alles muss jetzt schnell gehen, denn gleich müssen sie sich wieder den Zuschauern zeigen. In wenigen Sekunden verwandelt sich eine unbedeutende Person aus dem Volk in Marie Antoinette, die nun wieder auf die prunkvoll gestaltete Bühne läuft. „Wir haben kein Geld mehr!“ ruft sie nun weinend. Zum Glück kann der König sie beruhigen und verspricht, die Abgeordneten einzuladen und sich ihr Geld zu beschaffen.

„1789“ hält als Film die Aufführung des gleichnamigen Theaterstücks über die Französische Revolution fest, das von der berühmten Schauspielertruppe „théatre du soleil“ aufgeführt wurde. Es ist das Theater von Ariane Mnouchkine, die das Stück 1970 selbst inszenierte und 1974 im Film festhielt. Als Film erfuhr das Stück in den internationalen Kinos eine große Verbreitung.
Als Teil der französischen Filmwoche 2015 gelangt der Film nun in restaurierter Fassung zur Wiederaufführung.

Die Schauspieler stellen in den 145 Filmminuten viele Ereignisse nach, die sich in der Zeit der Französischen Revolution abgespielt haben, zum Beispiel den Sturm auf die Bastille und die Nationalversammlung in der Nacht vom 04. August 1789. Mit DEN aufwändigen Kostümen VON Françoise Tournafond verkörpern sie sowohl das Königshaus als das Bürgertum und das Proletariat. Die von Bühnenbildner Roberto Moscoso sehr kreativ gestaltete Bühne und die lebhafte Darstellung reißen jeden Zuschauer im Theater mit. Nicht nur durch das bloße Spielen, sondern auch durch die Einbeziehung von extravaganten Puppen zeigen sie ihr außergewöhnliches Talent, ihre Zuschauer zum Staunen zu bringen.

Bleibt nur noch die Frage, warum der Film 1789 ein Teil der französischen Filmwoche ist. Soll der Film wirklich nur wieder bekannt gemacht werden oder wird damit vielleicht sogar auf die bestehenden Verhältnisse in Frankreich aufmerksam gemacht werden?
Während der französischen Revolution gab es Aufstände, weil die Menschen nicht genug Geld hatten und unzufrieden mit der politischen Situation waren. Ist das nicht heute genauso?
Im Moment sind die Franzosen von der Angst geprägt, die sie durch die Anschläge im Januar und November in Paris entwickelt haben. Ist dies nicht auch der Grund, warum extreme Parteien immer mehr Anklang finden?
Im Kontext des Filmprogramms der französischen Filmwoche, in der wir zum Beispiel auch „Je suis Charlie“ gesehen haben, denke ich auf jeden Fall, dass man die im Film dargestellte Situation auf heute übertragen kann.

 

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